Leseprobe

 

Die NPD – wer kennt sie wirklich?
Hier spricht ein Insider auf Grund des NPD-Verbotsverfahrens!

Die Schlapphut-Affäre
- Als V-Mann auf NPD-Führungsebene -
Erfahrungen und Erlebnisse von 1959 bis heute !
von Wolfgang Frenz

€ 7,95 –  Preise inkl. MwSt., zzgl. Versand  

“Auch ein abgehauener Ast
wächst wieder,
und der hingeschwundene Mond
nimmt wieder zu:
Kluge, die solches erwägen,
härmen sich bei Widerwärtigkeiten
nicht ab!”
Bhartrhari,  indischer Philosoph                                                          


Vorwort

Wenn man 36 Jahre Kontakt mit einem Nachrichtendienst hatte - in meinem Fall mit dem Landesamt für Verfassungsschutz in Düsseldorf - kennt man einen Teil des Dienstrechtes genau. Das trifft mindestens auf die Außendienstmitarbeiter zu, die Informationen über V-Leute sammeln, diese aber selbst nicht gewichten und auswerten, weil das eine Aufgabe des Innendienstes, der sogenannten Auswertung, ist. Da man oft über Jahre mit einem solchen Außendienstler zusammenarbeitet, entstehen wie selbstverständlich persönliche Kontakte. Man lernt sich gegenseitig genau kennen und spricht bei den Treffs auch über Politik und persönliche Angelegenheiten. Diese Informationeneinsammler lesen natürlich die Entschließungen der Parteitage und Erklärungen der Vorstände der rechten Parteien, in meinem Fall die der NPD. Wenn sonst auch Verlautbarungen der Partei von der Presse nicht zur Kenntnis genommen werden, so werden diese doch von den Nachrichtendiensten aufmerksam gelesen, hinterfragt und  in irgendeiner Registratur abgelegt.

Wer sich, wie die Außendienstler des VS-Amtes täglich mit den Druckerzeugnissen der rechten Parteien beschäftigt, macht sich - und das liegt in der Natur des Menschen - den politischen Inhalt dieser Erzeugnisse zu eigen. Er hat in den allermeisten Fällen nach einer gewissen Zeit eine politische Einstellung, die sich von der des V-Mannes, der die Informationen lieferte, nicht mehr unterscheidet. In den vielen Jahren meiner Kontakttätigkeit hatte ich bis auf einen, der böse wurde und auschwitzgläubig blieb, wenn man mit ihm über revisionistische Inhalte und eine national ausgelegte Tagespolitik sprach - und das auch nur, weil man ihn in der NS-Zeit auf die Füße getreten hatte - niemand kennen gelernt, der das politische System der Republik bejahte und es für in Ordnung befand. Wenn man sie auf die vielen politischen Repressionen ansprach, denen die Rechte in Deutschland ausgesetzt ist, wurde die Verantwortung dafür auf den parteiisch auswertenden Innendienst und den Innenminister geschoben und die in einigen Publikationen der Rechten auftauchende Bezeichnung "Verfassungsschmutz" als Bezeichnung für den Verfassungsschutz nicht auf sich, sondern diese bezogen. Nach meinen Erfahrungen und darunter waren auch einige recht intime, wählten diese sogar rechte Parteien, wie REP, DVU und auch NPD. Zur letzteren Partei bewahrte man einige Distanz, nicht wegen der politischen Inhalte, die von dieser Partei ausgehen, sondern wegen des äußerlichen Erscheinungsbildes durch Glatzköpfe mit Springerstiefeln, Fahnenschwenker und Trommler bei Demonstrationen und anderen öffentlichen Auftritten dieser Partei, die bei jedem normalen, zumal konservativ geprägten Menschen, Angst und Abscheu hervorrufen. Auf dieses abstoßende Ambiente, welches unter der Führung von Udo Voigt besonders gepflegt wurde, ist immer wieder hingewiesen worden. Das hatte aber nichts mit der politischen Wertschätzung der Partei zu tun und nicht selten wurde gelacht, wenn es mir oder einem Pseudonym von mir gelungen war, in den von mir redigierten Publikation eine besonders bissige aber zutreffende Persiflage auf das System zu bringen. Besonders publizistische Hiebe auf die Grünen, aber auch auf den damaligen Landesinnenminister Dr. Herbert Schnoor wurden schmunzelnd zur Kenntnis genommen und insofern war die Begründung meiner Abschaltung 1995 durch einen Sprecher des Innenministeriums, "man konnte es sich doch nicht gefallen lassen, dass Frenz den Innenminister oft angriff, der das auch noch bezahlte", nicht ganz abwegig.

Die NPD, so jedenfalls ist mein Eindruck, wurde vor Voigt als ein notwendiges politisches Korrektiv angesehen, welches nationalkonservative Menschen binden konnte und die CDU/CSU zwang, Rücksicht auf ihre konservative Klientel zu nehmen, die verloren gehen konnte, wenn die Partei zu sehr nach Links abdriftete. Das traf auch auf die FDP zu, die, um den Anteil ihrer nationalliberalen Wählerschaft zu halten, wie es Prof. Dr. Dr. Zimmerer in der Düsseldorfer Herrenrunde einmal sagte, sich sogar bemühte, Adolf von Thadden in ihre Reihen zu ziehen. Mit dem Aufkommen der DVU und der Republikaner als Wahlpartei ging jene korrektive Eigenschaft auf diese Parteien über. DVU und REP waren gesellschaftsfähiger geworden als die NPD, zu deren Veranstaltungen man keinen Gast aus bürgerlichen Kreisen mehr mitbringen konnte, ohne sich zu blamieren. Auslöser dieser abgewerteten Rolle der NPD war die Öffnung der Partei für Führungskräfte aus verbotenen politischen Vereinigungen und der politische Zickzackkurs des Bundesvorsitzenden Voigt, der zwischen Sympathien für die Betonkommunisten Nordkoreas und die spanische Falange hin- und hergerissen schwankte und mit dem marxistischen Professor Nier aus Chemnitz einen marxistischen Arbeitskreis in der NPD bildete, welcher die Partei zu einer braunen PDS verwandeln sollte.  Die Deutsche Stimme, das Sprachorgan der NPD, verstieg sich sogar  unter dem Einfluß der Marxisten in der Partei zu dem Satz "... die Kommunisten in Wien stehen der NPD näher als Haider und sein Anhang". Dieser linke Tatsch ging mit einer Radikalisierung einer glatzköpfigen Parteijugend einher, die einem überholten Befreiungsnationalismus, vor allem in der Dritten Welt, das Wort redete und zu Europäischen Jugendkongressen aufrief, zu der sich Dumpfbacken aus manchen Ländern zusammen fanden und wo Voigt und sein Kreis ihren aufgeblasenen Satz von der "Meinungsführerschaft der NPD" loswerden konnten, ohne bis heute zu merken, dass es nur ein kleiner Schritt ist, von der Erhabenheit in die Lächerlichkeit zu stürzen.

Wenn nun die NPD Spitze, vor allem der Parteivorsitzende Udo Voigt, sich in der Öffentlichkeit und in der NPD-Parteizeitung DEUTSCHE STIMME (DS Nr. 2/2  Febr. 2002) äußern, sie haben mich wegen Verfassungsschutzkontakte aus der Partei ausgegrenzt, so ist dies schlicht eine Lüge. Im Frühjahr1997 fand im hessischen Ehringshausen eine Bundesvorstandsitzung der NPD statt, auf der die Kontakte zum Verfassungsschutzamt von Holtmann und Frenz eingehend diskutiert wurden. Während Holtmann versicherte, nie Kontakte gehabt zu haben, erklärte Frenz, dass solche bis 1995 bestanden und die Partei darüber unterrichtet war.  Da man solche sensiblen Dinge nicht dem offenen Markt kundtut, wurden sie nur dem engsten Führungskreis der Partei mitgeteilt und Informationen mit diesem abgesprochen. Auch die Behauptung von Voigt auf dem 29. Bundesparteitag der NPD, ich hätte ihm in einer "Eidesstattlichen Versicherung" bestätigt, keine Kontakte zum Verfassungsschutzamt gehabt zu haben, ist falsch. Wenn nun Udo Voigt so tut, als wenn er diese Kontakte zum Anlass genommen hätte, mich für keine Funktionen in der Partei mehr vorzuschlagen, so hat er wohl vergessen, dass er mir am 12. November 1997, wenige Wochen vor dem Stavenhagener Bundesparteitag, einen Brief schrieb, den ich im Auszug hier wiedergebe und der die ganze Heimtücke und sittliche Verkommenheit des Udo Voigt aufdeckt:


"Lieber Wolfgang!

... Abschließend habe ich noch eine persönliche Bitte an Dich. Bei der ständig angespannten Lage in Sachen Deckert und dem völligen Versagen von Ambrosius (Ambrosius war der amtierende Bundesschiedsrichter, der sich weigerte, Deckert aus der Partei auszuschließen) müssen wir einen qualifizierten Vorsitzenden des Bundesschiedsgerichts finden. Wir brauchen hier eine integere Persönlichkeit, welche die Entwicklung der Partei genau kennt... Ich denke dabei an Dich und würde mich freuen, wenn Du diese Aufgabe mit persönlichen Engagement wahrnehmen könntest. Selbstverständlich würde ich Dich auch wieder für den Parteivorstand vorschlagen!"

Voigt mutete mir mit diesem Vorschlag, seinen Vorgänger im Parteivorsitz, Günter Deckert, aus der Partei zu entfernen, wenn mich der Parteitag auf seinem Vorschlag zum Bundesschiedsgerichtsvorsitzenden gewählt hätte, eine innerparteiliche Schurkerei zu. Ich habe diesen Vorschlag als eine Provokation gegen Recht und Gesetz und kameradschaftlichen Umgang in der Partei empfunden und abgelehnt. Dieses sei alles vorausgeschickt, um meine nachstehende Geschichte und meine Verwicklungen mit dem Verfassungsschutzamt zu verstehen. ...

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