Leseprobe
 

Was wäre, wenn die Geschichte einen anderen Verlauf genommen hätte?
Der Endsieg findet doch statt!
Roman von Martin Dubois

ISBN 3-00-008540-8   –  € 14,95 –  Preise inkl. MwSt., zzgl. Versand  

Als bei mir der Gedanke aufkam, in meinem fortgeschrittenen Alter noch ein Buch zu schreiben, ahnte ich nicht, worauf ich mich da einlasse. In den ­letzten Jahren habe ich mich viel mit Geschichte beschäftigt und in vielen Büchern und Schriften immer wieder festgestellt, daß die Realität der Vorkriegs- und Kriegszeit völlig anders war, als sie den Nachkriegsgenerationen in Wort, Bild und Ton dargestellt wird. Ich habe selbst als Schüler, in der Jugendbewegung im Dritten Reich sowie als Soldat an der Front die damalige Zeit erlebt. Ich bin noch ein Zeuge der Zeit vor 1945 und weiß, wie die Geschichte heute massiv verfälscht wird.
Von Medienkultur kann nicht mehr die Rede sein. Die den Parteien hörigen Meinungsmacher verteufeln alle positiven Fakten der Geschichte. Jeder Anflug von Tradition wird mit dem Stigma Militarismus abgetan. Über die negativen Geschehnisse der Vergangenheit ­– wohlbemerkt nur der deutschen – berichten sie gebetsmühlenartig. Was in allen Staaten der Welt gepflegt und hochgehalten wird, tritt man bei uns mit Füßen. Bei allen Überlegungen aber, welche Folgen diese Reeducation, die Umerziehung der Deutschen nach dem Krieg hat und noch haben wird, stellt sich mir die Frage, wie es denn dadurch in Deutschland zu einem solchen Verfall der Sitten, Werte und Ideale kommen konnte.
Zur gleichen Zeit wird viel von Freiheit geredet und das in einer Zeit, in der mehr denn je Denkverbote ausgesprochen werden. In einer Zeit, in der politisch Andersdenkende diffamiert und aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Dabei wäre es zur Verwirklichung der echten Freiheit nötig, unsere Gesellschaft vom überzogenen Liberalismus zu befreien.
Wir haben im 20. Jahrhundert in zwei voneinander abhängigen historischen Prozessen erlebt, was daraus wird, wenn Regierungen das Leben von Millionen Menschen anderer Völker – aber auch des eigenen Volkes – den wirtschaftlichen Interessen machtbesessener und geldgieriger Politiker unter­ordnet.
Der Osten versuchte mit der bolschewistischen Lehre von der Weltrevolution sein Ziel in allen Ländern der Erde zu erreichen. Der Preis an Menschenleben, vor allem im eigenen Land, war mit 60 bis 70 Millionen sehr hoch.
Es war die veraltete Machart des Kolonialismus.
Der Westen versuchte – und versucht immer noch – mit der Heilslehre der im Westen verstandenen Demokratie, die Völker erst militärisch und danach wirtschaftlich zu beherrschen, um damit zu einer Vormachtstellung in der Welt zu kommen. Der Preis an Menschenleben war bekanntlich ebenfalls sehr hoch. Es ist die moderne Machart des Kolonialismus.
Die Mitte in Europa, geprägt vom Wunsch der weltpolitischen Gleich­berechtigung, wurde dadurch in die Verteidigung gedrängt. Sie war 1939 gezwungen, den alliierten Einkreisungs­plänen Zug für Zug mit Präventivschlägen zuvorzukommen.
Natürlich lebt man in einem – bislang noch recht wohlhabenden – Mittelstaat in Europa seit einem guten halben Jahrhundert unter einem dem Einzelnen an normalen Tagen wenig bemerkbaren amerikanischen Protektorat recht gut. Natürlich liegen wir im Vergleich zu anderen Ländern bei unserem Wohlstand noch im Spitzenfeld, was bei dem Fleiß und dem Geschick der Deutschen nicht verwunderlich ist. Und natürlich spielt es auch eine Rolle, daß Mitteleuropa schon über 55 Jahre keinen Krieg mehr zu beklagen hatte.
Aber wiegt dieser materielle Wohlstand unseres deutschen Landes den Mangel und Verfall der familiären, musischen, geschichtlichen, ethischen und ­nationalen Werte, Sitten und Ideale wieder auf? Branden nicht hohe Wellen an gegen alles, was wir als deutsch bezeichnen?
Wie gehen wir mit der Verantwortung dessen um, was unseren Kindern und Enkeln zu hinterlassen ist? Heutige Generationen, in vielen Fällen schon die Generation der Erben, genießen ihren Wohlstand. Die junge Generation ist – noch – unpolitisch. Sie schaut verächtlich auf die Politik und auch auf die sich selbst bereichernden Politiker herab. Sie nehmen die geschichtliche ­Entwicklung der letzten 55 Jahre als selbst­verständlich hin. Aber ist sie es wirklich?
Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der sich der Frage angenommen hat, was eigentlich geschehen wäre, wenn der Krieg einen anderen Verlauf genommen hätte, die eine oder andere Entscheidung nicht gegen, sondern für Deutschland ausgefallen wäre? Was wäre geschehen, wenn sich die nach Weltmacht und neuen Absatzmärkten strebende USA aus dem rein europäischen Konflikt herausgehalten hätte? Was wäre geschehen, wenn die USA und die dort herrschende Klasse ihre Finger nicht nach dem geschichtsträchtigen Mitteleuropa mit dem damaligen Technologievorsprung und ihren ­immensen Patenten ausgestreckt hätte?
Oder wollte dieser wirtschaftliche Koloß USA von den Sünden ihrer eigenen Geschichte – dem Massenmord an den Indianern – ablenken und als Moralapostel bei den 1939 in Europa überwiegend autoritär regierten Staaten auftreten? Was wollten die amerikanischen Eroberer denn sonst in Europa?
Deutschland 1914 oder 1939 ein Streben nach der Weltherr­schaft vorzuwerfen und selbst die wirtschaftliche und militärische Weltherrschaft zu ­erobern, ist doch wohl der Treppenwitz der Geschichte. Nein, die großen Mächte England und Frankreich hatten sich 1914 fast die ganze bekannte Welt aufgeteilt, brachten den Schwarzen britische Manieren bei und hatten den Indern längst gezeigt, wie man ordentlich Stiefel putzt und Tee serviert.
Daß bei der Aufteilung der Welt ganze Völker hingemordet wurden wie z.B. in Südafrika die Buren, um sich die Diamantenfelder einzuverleiben, ist ja längst vergessen. Wer weiß denn noch, daß England dort 130.000 Frauen und Kinder in KZs eingesperrt hatten, von denen viele elend umgekommen sind? Übrigens war auch ein gewisser Winston Churchill damals vor Ort.
Dann wollten die USA französische und englische Absatzgebiete in der Welt übernehmen und in Europa größeren Einfluß gewinnen. Das 1939 technisch führende und erstarkte Deutsche Reich mit seiner antisemitischen Einstellung war gewissen Kräften in den USA ein Dorn im Auge. Die völlig am Boden liegende amerikanische Wirtschaft sollte mit einem neuen Krieg ­gerettet werden. Mit geschickter Diplomatie ist es ihnen dann gelungen, die europäischen Staaten aufeinanderzuhetzten, um sie zu schwächen.
Als die Deutschen beim Welthandel 1914 und 1939 mitspielen wollten, wurden sie als kriegslüstern beschimpft, wurden sie zum Staatsfeind erklärt und, wie wir wissen, dann bekriegt.
Natürlich wäre einem solchen  Frager nach dem Grund der amerikanischen Präsenz in Europa  sofort der Zeitgeist ins Genick gesprungen. Natürlich ­würde sofort das Märchen von der Deutschen Kriegsschuld an der amerikanischen Ostküste gebetsmühlenartig wiederholt. Doch gerade dieser Frage bin ich einmal nachgegangen.

Konnte der Endsieg doch stattfinden?

Wie wäre das möglich gewesen?

Wenn das Deutsche Reich der englischen Radarentwicklung und der in den letzten Kriegsjahren vorhandenen US-Überlegenheit an Material jeder Art eine technische Überlegenheit beim Bau von Lenkraketen, von überlegenen U-Booten, Panzern und Flugzeugen entgegengesetzt hätte, wäre ein anderer Ausgang des Krieges möglich gewesen.
Das kann jedoch nur eine Hypothese sein. Die aufgezeigten Fakten können nur der Phantasie entspringen oder sogar bei national gesinnten Menschen, wie auch den Leidtragenden des letzten Krieges, zu einem Wunschdenken führen.
Mich hat dieses Thema schon seit langer Zeit beschäftigt. Die andere ­Frage, ob ein gewonnener Krieg für Deutschland und seine Bevölkerung besser gewesen wäre, oder ob sich Europa dann unter deutscher Führung ­reibungsloser und schneller zusammengefunden hätte, soll mit diesem Buch nicht beantwortet werden. Folglich habe ich angefangen zu schreiben und hoffe, daß dieses Buch viele zufriedene – und nachdenkliche – Leser finden wird.
Es soll dies aber auch keine Verherrlichung des Krieges sein, wie es mir mit Sicherheit meine Kritiker unterstellen. Es darf jedoch erlaubt sein, der heutigen Jugend objektiv und mit den Augen der damaligen Zeit ­klarzumachen, wie wir, wie die Jugend vor über 60 Jahren gedacht und gehandelt hat. Oder darf man das nach 60 Jahren immer noch nicht sagen?
Und wenn die Zensoren der BRD dieses Buch, wie viele andere auch, auf den ­Index setzen, also – trotz grundgesetzlich garantierter Meinungsfreiheit – das Buch ­verbieten oder beschlagnahmen, kann man nur mit dem Wort eines heutigen bundesdeutschen Ministers antworten:

Die Wahrheit erträgt keine Tabus!

Es bleibt mir an dieser Stelle nur noch zu erwähnen, daß alle Namen, alle Gegebenheiten und alle technischen Details – soweit sie nicht historischen Tatsachen entsprechen wie etwa die Landung deutscher Soldaten auf dem ­kanadischen Labrador – frei erfunden sind ...

... Dr. Derberg hatte im März 1939 zur monatlichen Besprechung eingeladen. Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) wollte von ihm Aufklärung bekommen, wieweit die Entwicklung des PRA-Projektes gediehen sei, was mit den bereitgestellten Mitteln entwickelt wurde, vor allem aber, ob der Führer weiterhin die oberste Dringlichkeitsstufe aufrechterhalten wird. Wenn das nicht der Fall wäre, müßten viele Versuche gestrichen und die Termine hinausge­zögert werden. Das aber lag nun nicht gerade im Sinne von Dr. Derberg. ­Heute war die Tagesordnung ganz auf das PRA-Projekt, also auf den Entwicklungsstand der A4 und den des Frosches abgestellt. Dr. Derberg hatte dazu diverse Fachleute und hochkarätige Spezialisten eingeladen, klärte sie über die Lage auf und bat darum, ihm ungeschminkt Erfolge und Mißerfolge darzulegen.
“Herr Dr. Blauer”, begann er, “wir haben Ihnen ja fast 4.000 Mann ausgesuchtes technisches Personal zur Verfügung gestellt, mit den Walter-Triebwerken konnten auch ermutigende, fehlerfreie Flüge getestet werden. Welchen Weg aber sehen Sie bis zur Einsatzreife, immer vorausgesetzt, die erste Dringlichkeitsstufe wird vom Führer nicht widerrufen.” Dann sagte Dr. Blauer auf Einzelheiten eingehend:
“Herr Dr. Derberg, unsere Entwickler arbeiten Tag und Nacht und das ­unter schwierigen Verhältnissen, da sie von ihren Familien aus Sicherheitsgründen ganz abgeschnitten sind. Wie Sie wissen, werden für alle Arbeiten nur Reichsdeutsche nach genauer Sicherheitsüberprüfung und vorherigem mehrere Wochen dauernden Einführungskursus eingesetzt. Das alles erfordert seine Zeit. Die Sicherheitsvorkehrungen müssen nun einmal genau eingehalten werden. Aber wir haben, um Ihnen positive Ergebnisse zu nennen, jetzt die Pfeilstabilität durch den Abwurf von verkleinerten Modellen ganz im Griff. Hinsichtlich der Steuerung sind viele Versuche durchgeführt, um beim PRA-Projekt die Lenkfähigkeit vom aufsitzenden Flugzeug zu übernehmen, also für die Rakete selbst nur kleine Stabilisierungsflächen vorzusehen. Auch können diverse technische Ausrüstungen entfallen, da solche von diesem aufsitzenden Flugzeug übernommen werden.
Wir unterscheiden jetzt 2 Versionen der A4, einmal die A4-1, die eine Flugbahn mit einem aufsteigendem und einem abfallenden Ast hat, während die A4-2 eine gestreckte Flugbahn, geringere Geschwindigkeit und damit eine größere Reichweite aufweist. Sie ist gedacht für den Einsatz mit dem Frosch, also dem PRA-Projekt. Die Steuerung der Rakete wurde bereits erheblich verbessert. Das 25 Tonnen-Triebwerk ist schon über zwei Minuten einwandfrei gelaufen.
Inzwischen wurde beschlossen, auf größere Versionen, also eine Fernkampfrakete, die mehrere 1.000 km Reichweite hat, zu verzichten. Dafür soll das PRA-Projekt stärker forciert und zur Einsatzreife gebracht werden. Ich kann jedoch nicht verheimlichen, daß immer wieder Bedienungsfehler, Heckbrände, ein Abkippen der Rakete usw. zu Verzögerungen und zusätzlichen Untersuchungen geführt haben. Wenn die nächsten Versuchsflüge einwandfrei ­verlaufen sind, starten wir den ersten Versuch mit angekoppeltem Frosch ohne Besatzung. Welcher Entwicklungsstand bei diesen Versuchen erreicht ist, soll Ihnen aber Herr Dr. Weinrich näher erläutern.”
Dann begann der Angesprochene mit seinen Ausführungen und der Schilderung all der Schwierigkeiten:
“Meine Herren, man muß wohl schon ein König sein und sei es ein Froschkönig, um täglich all die Hindernisse bei der Entwicklung dieses urkomischen Flugobjektes zu verkraften. Schon im Windkanal war es problematisch, ein Gleichgewicht und eine stabile Fluglage zu bekommen. Immer wieder traten Pendelbewegungen auf. War der Fehler beseitigt, machte das Heckleitwerk nicht mehr mit, also wurde es höher gezogen, um beim Abkoppelvorgang eine Berührung zu vermeiden. Die Druckkabine wurde verstärkt und auf 20 km Höhe ausgelegt, da nicht ausgeschlossen werden kann, daß die Rakete den geplanten flachen Flugverlauf verläßt und höher steigt. Für die Versuchsphase ist für den Piloten ein Schleudersitz vorgesehen. Der dafür eingesetzte Platz wird später mit Treibstofftanks ausgefüllt. Ein großes Problem bildet der Abkoppelvorgang in der Sturzposition der Rakete. Die Sicherheit muß gewährleistet sein, daher ist ein automatischer Vorgang und daneben eine mechanische Abkoppelung durch den Piloten vorgesehen.
Das alles muß in kürzester Zeit vor sich gehen, um die Rakete möglichst dicht ins Ziel steuern, den Piloten aber mit seiner Maschine sicher abkoppeln und ihm den Heimflug ermöglichen zu können. Über die Modellversuche sind wir hinaus, der Prototyp ist in Arbeit, um bald die ersten Flugversuche zu beginnen.
Bei den Windkanalversuchen haben wir schon positive Ergebnisse. Ebenfalls bilden wir bereits Personal aus. Es soll bei ausreichender Sicherheit zunächst den Frosch allein fliegen und dann unsere PRA steuern. Sicher haben wir noch mit vielen Rückschlägen zu rechnen, aber ich bin guter Hoffnung, daß wir, vorausgesetzt die Mittel stehen zur Verfügung, die Einsatzreife des Projektes erreichen werden. Zu gegebener Zeit werde ich darüber wieder mehr berichten. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.”
Dr. Derberg ließ sich dann vom Leiter des Überschallwindkanals, Herrn Dr. Werner Hanau, über die Ergebnisse auf diesem Gebiet unterrichten, um aus allen Informationen zu erkennen, wo wohl das schwächste Glied bei diesem wissenschaftlich äußerst gewagten Unterfangen liegt. Er hoffe, das RLM und seinen Chef nicht enttäuschen zu müssen ...

... Anfang August 1941 hatte General Wagner anläßlich der aktuellen Ereignisse die Experten der Raketenentwicklung zu einer dringlichen Sitzung gebeten. Der Balkanfeldzug war vorüber. Der Einmarsch in Russland brachte der Deutschen Wehrmacht Erfolg auf Erfolg. Mehr und mehr zeichnete sich ab, daß der Krieg sich nicht nur auf dem Schlachtfeld sondern auch in der Rüstungstechnik der beteiligten Staaten abspielte. General Wagner versuchte die Anwesenden trotz aller immensen Erfolge der deutschen Panzerverbände erneut von der Notwendigkeit neuer Waffensysteme zu überzeugen:
“Meine Heren”, begann er, “Sie kennen die Wehrmachtsberichte, und verfolgen sie sicher laufend. Wir erleben täglich eine unglaubliche Serie von ­Erfolgen unserer Panzerwaffe. 700 Kilometer haben unsere Streitkräfte schon hinter sich. Eine Kesselschlacht nach der anderen meldet der Wehrmachtsbericht. Nur noch 350 Kilometer sind es nach Moskau. Über den Dnjeper sind wir Dank Guderians schneller Entscheidungen hinaus. Alles aber ist der Waffe Panzer zu verdanken, wenn wir mal von der Tapferkeit unserer Soldaten ­absehen.
Was wir aber haben, eine moderne, gut organisierte Panzertruppe, können morgen unsere Gegner, die Russen, Engländer, Franzosen, ja sicher auch die Amerikaner haben. Und dann, meine Herren, müssen wir wieder mit der Nase vorn sein und eine Art der Panzerbekämpfung haben, die dem Gegner auf dem Schlachtfeld überlegen ist. Sie sehen, wie sich der Kreis schließt und wie notwendig es ist, eine Panzerabwehrrakete zu entwickeln, die ihr Ziel selbständig ansteuert. Das soll unser heutiges Hauptthema sein.
Bevor wir uns aber mit den Modalitäten der einzelnen Gruppen beschäftigen, möchte ich Ihnen Herrn Oberst Karl Fechtner vorstellen. Oberst Fechtner ist als Panzeroffizier fronterfahren. Er hat bereits mit der Gruppe Ziel und Herrn Dr. Derberg zusammengearbeitet und seine Erfahrungen einge­bracht. Er wird auch bei unseren regelmäßigen Besprechungen anwesend sein.”
“Ich will mich nicht groß vorstellen, Herr General und meine Herren. Doch nur soviel, als Regimentskommandeur einer Panzereinheit habe ich unter Guderian den Einmarsch in Russland bis zu meiner Verwundung mitgemacht. Jetzt bin ich Dr. Derberg zugeteilt, um an der Entwicklung von Panzerabwehrwaffen mitzuarbeiten.
Ich kann Ihnen aus eigener Anschauung berichten, wie wir in die russische Bereitstellung immenser Panzer- und Artilleriekräfte eingebrochen sind. Die Panzer waren auf den wenigen Straßen einer hinter dem anderen aufgestellt. Teilweise waren sie noch nicht betankt. Die Artillerieeinheiten waren ebenfalls noch nicht munitioniert und nicht einsatzfähig. Es war bei den russischen Streitkräften ein heilloses Durcheinander. Nach Aussagen von gefangengenommenen Offizieren gab es bei denen nicht einmal Befehle, wie die Abwehr organisiert werden sollte. Auf einem Flugplatz, den die Luftwaffe schon bombardiert hatte, standen hunderte von Jägern aber auch von Lastenseglern in Reih und Glied abgestellt. Sie wurden von den Stukas überwiegend zerstört. All das hat bei mir den Eindruck erweckt, daß die russischen immensen Streitkräfte aufmarschiert waren und sich auf einen Angriff in ca. drei bis vier Wochen vorbereiteten. Ich persönlich meine, wenn unsere Feindaufklärung nicht funktioniert hätte, wenn die Deutschen nicht diesen Präventivschlag zum richtigen Zeitpunkt gestartet hätten, wäre der Vormarsch der Russen erst am Rhein gestoppt worden – wenn überhaupt!
Weder Engländer noch Amerikaner waren und sind gewillt, noch sind sie in der Lage, einen solchen russischen Vormarsch aufzuhalten. Das hätte das Ende eines geeinten Europas bedeutet.
Zur Verteidigung der Grenzen hätten die Russen keine Lastensegler und keine so dicht an der Grenze aufmarschierten schnellen Panzerverbände benötigt. Ich meine, es bestand die klare Absicht, in Kürze einen Angriff zu starten!

Wie hat Friedrich der Große einmal gesagt :

Der Angreifer ist derjenige, der seinen Gegner zwingt, zu den Waffen zu greifen! ...

... “Männer”, diese Anrede wählte der Flughafenkommandant nur bei ganz besondern Anlässen, “ich habe heute neue Informationen und wir werden sie im Laufe des Tages im Radio hören, die den Verlauf des Krieges entscheidend beeinflussen können. Nach noch nicht bestätigten Gerüchten ist es in Swert­lowsk, hinter dem Ural, wohin sich Stalin verkrochen hat, zu einem großen Blutbad gekommen. Anhänger der nationalen russischen Freiheitsarmee haben sich mit den treuesten Anhängern Stalins einen Kampf geliefert. Stalin und seine Kommissare sollen dabei ums Leben gekommen sein. Die neue russische Regierung in Moskau hat Deutschland formell um Waffenstillstand gebeten, was jedoch nur für den noch nicht befreiten Teil des Sowjetreiches Gültigkeit hat. Nähere Einzelheiten liegen noch nicht vor. Hören Sie daher während des Tages die laufenden Nachrichten und Sondermeldungen.
Weiter muß ich Sie darüber informieren, daß eine Invasion der Alliierten in Kürze und zwar bei gutem Wetter bevorsteht.
Das bedeutet für uns einen Großeinsatz gegen die Invasionsflotte! Bedeutet aber auch eine massive Jagdabwehr während ihres Rückfluges zum Heimathorst. Ich erwarte von Ihnen, daß sie bei Tag- und Nachteinsätzen Ihre Pflicht, selbst­verständlich bei äußerster Vor- und Umsicht für Ihre Person und das Ihnen anvertraute äußerst aufwendige Gerät, erfüllen.”
Die anschließende lange Diskussion war noch nicht beendet, als die Alarmglocke ertönte. Per Telefon informierte sich der Flughafenchef über den Grund und die Lage.
“Unsere Aufklärer haben soeben festgestellt, daß die Wolkendecke über dem Kanal aufgerissen ist”, informierte er seine Männer. “Mehr noch, ein riesiger Truppentransporter mit Zerstörergeleit, offensichtlich aus den USA, nähert sich der englischen Küste. Das ist unser heutiges Ziel. Mit starkem Mustang- und Mosquitoaufgebot muß gerechnet werden.
Leutnant Rusting, Leutnant Gallinger und Oberfeld Michel starten in einer halben Stunde mit einem Abstand von zwei Minuten. Zur gleichen Zeit starten von unserem Nachbarhorst ebenfalls drei Raketen. Die A4-2 werden inzwischen mit dem Frosch beladen und startklar gemacht. Die Besprechung ist beendet.”
Was dann geschah ist die unmenschliche aber unter den derzeitigen Umständen unabdingbare Seite des Krieges. Der Start von Helmut und Günter verlief reibungslos. Als Werner seine Rakete startete, war ein Wackeln sichtbar. In 200 Höhe dann eine Explosion am Triebwerk. Der Frosch löste sich noch von der Rakete trudelte aber und stürzte unter den Augen der gesamten Flughafenmannschaft senkrecht ab. Keine Stunde später wurde Werner von seinen Kameraden tot geborgen.
Jetzt waren nur noch fünf Raketen auf das große Schiff angesetzt. Ein über 20.000 t großer, zum Transporter umgebauter Passagierdampfer, hatte wohl 4.500 Soldaten an Bord. Panzer und eine Unmenge an Munition waren ebenfalls verstaut.
Als die erste völlig unerwartete Rakete dicht neben der Bordwand explodierte, spukten die begleitenden Zerstörer aus allen Rohren ihre Geschosse, ohne den Frosch wesentlich zu treffen. Die zweite und eine dritte gleichzeitig einschlagende Rakete des Nachbarhorstes trafen das Schiff achtern und lösten eine große Explosion aus.
Enorme Mengen an Munition gingen in die Luft und trennten das Achterteil des Riesen, wie die Zielfotos zeigten, einfach ab. Eine vierte Rakete ging neben dem Schiff runter, eine fünfte traf einen Zerstörer, der kurze Zeit später auch sank. Leider wurde der Froschpilot durch die Flack abgeschossen. Ob er aussteigen konnte, blieb vorerst ungeklärt. Wohl über 4.000 amerikanische Soldaten konnten nicht mehr gerettet werden.
Als Helmut und Günter mit einigen Flaktreffern landeten, fiel ihre Freude ob des gelungenen Anfriffs auf den Truppentransporter in sich zusammen, als sie vom Unglück ihres Kameraden Werner Gallinger hörten. Was war da nur geschehen? ...

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